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nochmals Test von Vendefoul Wolf

Begonnen von gosia, 25. Januar 2026, 20:48:10

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gosia

Wie versprochen noch ein kleiner Test zu Vendefoul Wolf, diesmal mit der Variante KDE/Plasma xlibre - openrc. Eigentlich wollte ich den Trinity Desktop XLIBRE testen, aber durch eine kleine Unachtsamkeit bin ich dann doch beim ISO für KDE/Plasma gelandet. Ist vielleicht nicht verkehrt, weil ich KDE/Plasma nie benutzt habe und deshalb vielleich eher Stolperfallen für Neulinge erkenne. Getestet habe ich das ganze in einer virtuellen Maschine (KVM/Qemu) und als Host diente MX-26 mit einem Kernel 6.18.4-1-liquorix-amd64, CPU Intel Core i5-6600. 8 GB RAM und Intel HD Graphics 530. Festplatte ist eine gewöhnliche HDD Seagate ST1000DM003-1ER162. Insgesamt alles andere als Rennpferd-Ausstattung, trotzdem kann ich vorrausschicken, dass Vendefoul Wolf schnell und flüssig lief.
Die ISO bootet mit einem schlichten mehrteiligen Bootmenu
* KDE starten
* Other Language
* KDE ins RAM, bzw failsafe
* zwei Memory-Test-Punkte
* und von FP booten.
Other Language ist etwas trügerisch, weil man dort in der Grub-Shell landet und die gewünschte Sprache (z.B. de_DE-UTF8) selbst eintippen muss. Also nix mit Cursorgesteuerter Sprachen-Auswahl a la "englisch", "deutsch", "polnisch" usw.
Macht nichts, einfach "Vendefoul => KDE" wählen. Zum Konfigurieren bietet das Installationsmenu noch genug Gelegenheit.
Nach dem booten landet man in einem aufgeräumten Plasma-Desktop, der in der Leiste fünf Menupunkte anbietet und links oben auf dem Desktop den Punkt "Install system". Diesmal wohl alles auf englisch. Interessant ist erstmal der Menupunkt "System settings", der eigentlich alles anbietet, was man überhaupt einstellen kann. Da wir aber gleich zur Sache kommen wollen, ist dort nur der Unterpunkt "Keyboard" wichtig, in dem man das Tastaturlayout von "spanisch" auf "deutsch" umstellen sollte. Dies mindestens für die spätere Festlegung von Passwörtern.
Der Installer Calamares begrüsst einen auch zuerst mit der Sprachauswahl, dort ebenfalls auf "Deutsch" umstellen. Der Rest dürfte selbsterklärend sein, Usernamen und Passwort eingeben (auch für root), Partitionierung usw. Alles nochmal kontrollieren, abnicken, zurücklehnen und zusehen, wie die Fortschrittsanzeige auf 100% wandert. Nicht ungeduldig werden, bei mir schien es mal bei 40% zu hängen (unklar warum), aber nach ca. 2 Minuten sprang es auf 50% und war dann auch sehr schnell fertg.
Neustart und der eigentliche Test kann beginnen. Wie gewohnt landet man beim Desktop Display Manager SDDM und kann sich einloggen und wird aufgefordert, die unweigerlich anstehenden Updates einzuspielen. Dies kann man in einem Fenster gut nachverfolgen, wieviel von jedem Paket schon runtergeladen wurde und was gerade installiert wird. Hübsch gemacht und sehr übersichtlich.
Danach sollte man sich um die Systemeinstellungen kümmern. Die Oberfläche ist zwar deutsch, aber locale sind nur teilweise deutsch. Also "Systemeinstellungen" -> "Region & Sprache" -> "deutsch", danach "Apply" und aus- und wieder einloggen nicht vergessen. Resultat "alles deutsch".
"Systemeinstellungen" ist überhaupt eine schier unerschöpfliche Fundgrube, unmöglich alles hier aufzulisten, deshalb nur die Gruppenbezeichnungen:
* Eingabe & Ausgabe
* angeschlossene Geräte
* Netzwerk
* Erscheinungsbild & Stil
* Anwendungen & Fenster
* Arbeitsbereich
* Sicherheit & Datenschutz
* Sprache & Zeit
* System
Eine ganze Menge, aber merkwürdigerweise gibt es dort keine Paket- bzw. Softwareverwaltung, die ich eigentlich auch dort vermutet habe. Die findet man im "Anwendungsstarter" -> "System", als Synaptic und Discover. Dieser Ort ist schon logisch, aber warum beides nicht in den "Systemeinstellungen" auftaucht erschliesst sich mir nicht. Aber gut, muss man sich dran gewöhnen. Zu Synaptic muss ich ja nichts sagen, aber mit Discover habe ich als als Nicht-KDE-User erhebliche Probleme. Das geht schon beim Start los, da erscheint im Discover-Fenster die Meldung "Anwendungen können nicht geladen werden. Bitte überprüfen Sie Ihre Internet-Verbindung". Mache ich gerne, aber ich kann problemlos im Internet surfen, also was soll es?
Deshalb meldet mir Discover in allen Kategorien nur, dass nicht gefunden werden kann. Nur "Erweiterungen für Anwendungen" und "Plasma Erweiterungen" bieten mir reichhaltig Stoff zum runterladen. Entweder bin ich zu dumm um Discover zu benutzen, oder es funktioniert nicht. Ich nehme jetzt mal das erstere an. Kann also nur sagen, dass man dort auch enstellt, ob man Snaps oder Flatpaks benutzen möchte.
Da wir bei der Software sind, was so alles geboten wird lässt sich unmöglich auflisten. Da aber in der Hauptsache Devuan-Repos benutzt werden dürfte für jeden Geschmack was dabei sein. Deshalb seien hier nur ein paar Brot-und-Butter-Pakete erwähnt und einige, die ich interessant fand:
Als Textverarbeitung Abiword 3.0.6, wer möchte kann auch LibreOffice installieren, Browser ist LibreWolf 146.0.1, Mailprogramm KMail 6.3.3 (klar, ich teste die Plasma-Variante von Vendefoul Wolf), im Zusammenhang damit KOrganizer. Texteditor Kate und/oder Pluma. Für Musik ist JuK (enthält einen Metadaten-Editor) zuständig, für Videos/Streams DragonPlayer, mal was anderes als der ewige VLC.
In der Abteilung Grafik war der Wolf sehr bescheiden, da tauchte nur der Bildbetrachter Gwenview auf. Hier muss man sich also aus Discover oder Synaptic bedienen und nachinstallieren wonach einem der Sinn steht. Aber der Vorrat dort ist ja fast unerschöpflich. In dem Zusammenhang sei das Screenshot-Programm Spectacle erwähnt, das wirklich keine Wünsche übrig lässt. Jeder Screenshot kann nachträglich noch mit Effekten, Pfeilen, Beschriftungen usw. bearbeitet und dann nach verschiedenen Orten (Imgur, NextCloud, Telegram), Geräten gesendet oder gespeichert werden, wahlweise mit Bluetooth, EMail oder per Drucker.

Mein Drucker EPSON ET-2710 wird erkannt, aber kein Treiber gefunden. Allerdings kenne ich das schon, er braucht den epson-inkjet-printer-escpr vom Epson Download Center. Das Paket von dort heruntergeladen, installiert und schon druckt mein Epson auch mit dem Vendefoul-Wolf.  Ähnliches mit dem Epson-Scanner, braucht die Treiber von der Epson-Homepage, dann kann man auch scannen. Muss man natürlich wissen, oder besser "Augen auf beim Druckerkauf".

= Trinity =
Dann habe ich noch die Trinity-Version kurz getestet. Nur kurz deshalb, weil man zwar die Umgebung auf deutsch umstellen konnte, aber viele Bezeichnungen spanisch oder englisch blieben. Wenn z.B. der Editor Geany im Menu als "Entorno de desarollo integrado" auftaucht und nur noch am vertrauten Icon erkennbar ist, dann mag ich nicht mehr. Ähnlich die Paketaktualisierung, hier fast poetisch "Actualizador de paquetes" genannt. Dort wird mir zwar auf deutsch mitgeteilt, dass X Aktualisierungen anliegen, aber wenn ich auf "aktualisieren" klicke, passiert ausser der Fehlermeldung "failed to obtain authentication" nichts. Lässt sich zwar auch hier mit anderen Werkzeugen wie apt oder Synaptic umgehen, ist aber trotzdem ärgerlich.

Mein Fazit: Wer ernsthaft am Vendefoul Wolf interessiert ist und ein wenig Ahnung hat und Zeit investiert, wird das sicher alles mehr oder weniger hinbiegen können. Aber für Ex-Windows-User ist zumindest Trinity wohl nichts. Die KDE/Plasma-Variante ist ganz nett und brauchbarer (s.o.), aber von Trinity rate ich (zumindest für Anfänger) dringend ab. Zumindest so lange, bis wenigstens ein Forum für den Wolf entsteht, bei dem man sich Rat holen kann.
Eigentlich schade, weil das Init-System (openRC oder runit), der geringe Leistungsverbrauch und die reichhaltige Software-Ausstattung durchaus für den Wolf sprechen. Auch das Trinity-Control-Center finde ich sehr gut. Dort kann man alles einstellen, was sich überhaupt einstellen lässt (oder auch anzeigen, z.B. RAM-Verbrauch) und trotzdem ist es sehr übersichtlich. Klar, lässt sich alles sonst auch über die Kommandozeile bzw. GUIs machen, aber soviel an einer Stelle ist schon sehr praktisch.
Schade, aber vielleicht sind die verschiedenen Unebenheiten beim nächsten Update schon mehr oder weniger beseitigt. Mal sehen.