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Vendefoul Wolf Linux im kurzen Test

Begonnen von gosia, 25. Dezember 2025, 17:10:17

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gosia

Hier ein kurzer Bericht über Vendefoul Wolf Linux mit dem Schwerpunkt darauf, wie sich diese Distro wohl für Windows-Umsteiger anfühlen könnte. Ich muss natürlich betonen, dass ich einigermassen mit Linux vertraut bin und die echten Linux-Neulinge manches vielleicht anders sehen werden. Wichtig ist auch, dass ich die xfce-Variante  Vendefoul-Excalibur-Xfce4_amd64_2025-10-23_RC_Dawn benutzt habe und manche Unstimmigkeiten eventuell darauf zurückzuführen sind und in der Trinity-Variante vielleicht nicht auftreten. Neuere Erkenntnisse mit Vendefoul Wolf Linux und dem Trinity-Desktop werde ich im neuen Jahr nachliefern. Ausserdem habe ich Vendefoul Wolf nur kurz angetestet und nicht jeden Bestandteil ausführlich ausprobiert. Soviel zur langen Vorrede, nun zum eigentlichen Test.
Der USB-Stick mit dem ISO startet mit einem schlichten Textmenu, bei dem hier nur der Punkt
* Live/Installations-Modus
interessiert und landet sehr schnell im xfce-Desktop, hübsch anzusehen, aber oh Schreck, das meiste in spanisch, manches englisch - wohl dem, der die Symbole und Icons schon kennt. Nun ja, auch ohne spanisch-Kentnisse begreift man, dass "Instalacion del sistema" der entscheidende Menupunkt zur Installation ist. Benutzt wird der verbreitete Installer Calamares, der sich auch erstmal auf spanisch meldet. Zum Glück lässt sich hier aber "Deutsch" auswählen und es kann losgehen. Ich denke, auch wer Calamares noch nie gesehen hat kann mit ihm zurechtkommen. Im Zweifelsfall sollte man einfach die angebotenen Defaultwerte wählen. Hat Calamares seine Arbeit getan wird man aufgefordert, das Installationsmedium zu entfernen und das frisch gebackene Linux startet in dem schon erwähnten xfce-Desktop. Links die vertikale Leiste mit den wichtigsten Startsymbolen, ganz oben das Auswahlmenu für alle installierten Programme und unten in der Mitte ebenfalls eine Auswahl von Startsymbolen. Auf den ersten Blick alles ordentlich auf deutsch, leider mit Ausnahmen. Da gibt es einen Punkt "Welcome to Vendefoul Wolf Linux", der ein Auswahlfenster öffnet, das leider nur auf englisch umstellbar ist. Aber auch nach der Umstellung bleibt es etwas kryptisch mit sechs Menupunkten:
* Apps -> bietet Flatpaks zum Installieren an, absolut nicht mein Fall, aber für Windowsumsteiger sicher nützlich. Ordentlich in zehn Sachgruppen wie Audio/Video, Game, Graphics, Utility usw. geordnet kann man dort gewünschten Anwendungen suchen und auf gewohnte Windows-Manier runterladen und installieren, ohne sich um Abhängigkeiten kümmern zu müssen.
* Init -> Auswahl, ob runit, openrc oder sysvinit als Init-System benutzt werden soll. Sehr nützlich, aber Windowsusern wird dies wohl eher spanisch vorkommen, zumal das Menu tatsächlich spanisch als Sprache benutzt. Aber gut, einfach so lassen schadet auch nicht.
* RAM -> wie zu erwarten, eine Anzeige der RAM- und Prozessor-Auslastung, leider auch nur auf spanisch.
* WEB -> Überraschung, startet den Browser LibreWolf
* INFO -> führt zu Infos, oder besser gesagt, zu einem kleinen Handbuch (10 Seiten) über Vendefoul Wolf GNU/Linux, aber auch das komplett in spanisch
* Feedback -> Kontaktaufnahme mit den Entwicklern über Telegram möglich

Auf das allgemeine Anwendungsmenu kann und will ich nicht im Detail eingehen, aber es ist gut und reichlich bestückt. Wer z.B. den Browser Librewolf nicht mag findet dort den Thorium Browser, der im allgemeinen als sehr schnell und sicher angesehen wird.
Statt Flatpaks kann man auch die Paketverwaltung Synaptik bzw. apt für die Kommandozeile benutzen, ist also für jeden Geschmack etwas dabei.
Manches ist aber etwas verwirrend. So gibt es z.B. einen Menupunkt "KDE/Plasma Einstellungen" und das bei xfce? Macht in der Trinity-Variante Sinn, wurde also wahrscheinlich bei xfce nur vergessen, dies rauszunehmen. Oder die sehr nützlichen MX-Tools, die bei mir aber nur zwei Dinge anbieten, die Boot-Reperatur und den Benutzer-Manager. Ob das an mir oder an der gewählten ISO liegt, dem bin ich nicht weiter nachgegangen.

Mein Fazit fällt gemischt aus. Das angebotene Flatpak-Menu ist bei allem persönlichen Vorbehalt für Windows-Umsteiger sicher der grösste Pluspunkt. Noch leichter eventuell fehlende Anwendungen nachzuinstallieren ist wohl kaum möglich. Wer doch etwas mehr Linux-Luft schnuppern und sich aus dem sehr reichhaltigen Debian/Devuan-Fundus bedienen möchte kann ja dann zu Synaptik und eventuell apt greifen.
Bei den teilweise auftretenden rein spanischen Menupunkten bin ich unschlüssig. Ist schade, aber viele davon kann man einfach ignorieren oder ähnliche benutzen, wie z.B. statt RAM eben htop. Das muss man natürlich wissen.
Insgesamt kann ich sagen, trotz aller Meckereien ein gutes System mit Luft nach oben und kleinen Schönheitsfehlern, die aber für den täglichen Gebrauch nicht sehr ins Gewicht fallen. Ich vergebe mal 3 von 5 möglichen Punkten. Mal sehen, wie es im neuen Jahr mit Vendefoul Wolf und dem Trinity-Desktop aussieht.

viele Grüsse gosia

Daemon

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gosia

Hallo Daemon,
Zitat von: Daemon am 27. Dezember 2025, 09:03:26Wie bist du denn auf die gekommen?
gute Frage, aber zu spät. Hier
https://systemdfree.de/index.php/topic,709.msg4499/topicseen.html#msg4499
hätte ich dir das noch konkreter beantworten können. Irgendwo im Internet einen Artikel gelesen, über die Distri. Devuan als Basis, leicht umschaltbar zwischen runit, openrc und sysvinit und dann noch vollmundige Versprechen über geringen Ressourcenverbrauch, Schnelligkeit, gute Hardware-Erkennung und geeignet für Windows-Flüchtlinge. Dem musste ich einfach nachgehen.

viele Grüsse gosia

Daemon

Ah achso.
Den anderen Beitrag habe ich übersehen.
Hier ist noch ein anderer Link zu denen ihrer Seite: https://vendefoul-wolf-linux.sourceforge.io/index_en.html
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